Home
 Australia Southwest (WA)
 Australia Westcoast (WA)
 Australia Northwest (WA)
 Australia Top End (NT)
 Australia Red Centre (NT)
 Australia South (SA)
 Australia Victoria (VIC)
 Australia Tasmania (TAS)
 Australia Sydney (NSW)
 New Zealand South Island
 New Zealand North Island
 Thailand
 
 Bildergalerie
 Gästebuch
 
 Unser Geschäft
 Mail an Tanja
 Mail an Tobias
Australia Victoria (VIC)  
Samstag, 25. Dezember 2004
von Tanja
Merry Christmas! – Nachdem am Morgen des heutigen Weihnachtstages früh der Wecker geläutet hat, haben wir zum ersten Mal nach fast zwei Monaten zu Hause angerufen. Als erstes habe ich in die Weissenberge angerufen, da wir am Abend des 24. Dezembers (gemäss schweizer Zeit) dort immer gemütlich Weihnachten feiern. Meine Eltern waren alleine und freuten sich sehr über den Anruf. Sie wollten erst am nächsten Tag mit meinem Bruder und seiner Freundin in den Weissenbergen richtig feiern und so war es umso mehr eine gelungene Überraschung an diesem Abend (bzw. Morgen gemäss australischer Zeit). Es war wirklich schön und tat auch gut persönlich zu hören, dass zu Hause (und natürlich auch mit unserem «Tino») alles in bester Ordnung war. Tobias hat sich dann auch noch bei seinem Vater gemeldet der sich natürlich ebenfalls sehr gefreut hat (in Mitlödi wollte er sich erst am nächsten Tag melden, da er wusste, dass dann die Knecht-Meisters und Knecht-Rinks dort sein würden).

Nach dem Frühstück sind wir dann losgefahren, um den Weihnachtstag in den nahe liegenden Bergen, den «Grampians» zu verbringen. Die markanten Sandsteinerhebungen liegen in einem 167’000 ha grossen Nationalpark und wurden in Millionen Jahren geschaffen und bilden heute die westlichen Ausläufer der Great Dividing Range. Die Bergketten beeindrucken vor allem durch ihre aussergewöhnliche Form. Vom flachen Westen her steigen sie sanft an um dann im Osten um so steiler abzufallen. Die rampenähnlichen Berge erreichen dabei die Höhe von 1168 m. Dazwischen liegen Seen, tiefe Schluchten und natürlich die ausgedehnten und für Australien so bekannten Eukalyptuswälder.

Nach Ankunft in «Halls Gap», dem Touristenort und Versorgungsstützpunkt im Gebirge, sind wir nach erfolgloser Suche nach einem geöffneten Caravanplatz in den Nationalpark gefahren, wo wir uns als erstes für einen «Walk» zu einem bekannten Aussichtspunkt in den Grampians entschieden. Dem sogenannten «Pinnacle». Es war eine schöne, wenn auch manchmal ziemlich steile Wanderung, die richtige Kletterpartien miteinschloss. Das schöne, umliegende Gebiet und dann später die Aussicht haben uns für die ganze «Kraxelei» aber entschädigt.Der effektive, leicht überhängende und unglaublich steil abfallende Aussichtspunkt, der eigentliche «Pinnacle» also, war dann aber fast furchteinflössend. Die Aussicht war zwar atemberaubend, aber wegen meiner Höhenangst konnte ich sie nicht wirklich geniessen. Nur auf Knien habe ich mich zum Aussichtspunkt hinausgewagt. Aber immerhin! Beim Abstieg haben wir noch eine kurze Ehrenrunde gedreht, bevor wir wieder den richtigen Weg gefunden hatten. Die Wanderwege sind zwar mit gemalten Pfeilen am Boden beschriftet, aber manchmal schwer zu finden und das Gebiet ist sehr gross und sieht überall so ähnlich aus, dass man sich schon leicht verlaufen könnte (und das liegt bestimmt nicht nur an uns, denn wir wurden auch im Reiseführer deswegen schon gewarnt). Auf jeden Fall haben wir schlussendlich den Weg gefunden. Nach erfolgreichem Abstieg war es Zeit für einen «Lunch» den wir gleich auf dem dortigen Park- und Picknickplatz zu uns genommen haben. Während unserer Mittagspause haben wir Sirenen von Ambulanz- und Polizeiwagen gehört, aber dann nicht mehr allzu sehr darüber nachgedacht.

Wir entschieden uns nach unserer Stärkung noch einen Ausflug zu den bekannten «McKenzie-Wasserfällen» zu machen, offenbar gehören diese zu den schönsten Wasserfällen von Victoria. Dort angekommen trafen wir auf eine grosse Ansammlung an Menschen und sahen auch einen Ambulanzwagen und ein Polizeiauto. Man wurde aber nicht informiert, ob etwas geschehen war. Wir entschlossen uns dann zu den Aussichtspunkten zu laufen, von welchen man den Wasserfall von oben sehen konnte. Mittlerweile mussten wir vermuten, dass es einen Unfall gegeben hatte, aber wir wussten nicht wo und was genau geschehen war. Bei den Aussichtspunkten angekommen sahen wir dann mehrere Menschen und auch Rettungssanitäter und Polizei am Fuss des Wasserfalls. Man konnte nicht erkennen, was genau geschah, aber man musste fast annehmen, dass irgend jemand in den tiefen Pool, in den die übrigens wunderschönen Wasserfälle fliessen, gefallen war. Wir waren wohl etwas naiv gewesen doch zu den Aussichtpunkten zu gehen, aber da sie nicht abgesperrt waren, hatten wir dies wirklich nicht vermutet. Mittlerweile war ein Helikopter eingetroffen, der über den Wasserfällen kreiste und wurde nach einer Weile von einem kleineren Exemplar abgelöst. Beide mussten wegen des starken Windes aber wieder umkehren. Uns war es dann auch nicht mehr wohl und wir machten uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Das ganze Treiben am Fuss der Wasserfälle hatte uns dann noch sehr beunruhigt. Wieder beim Parkplatz angekommen wurde man informiert, dass die Sehenswürdigkeit für die Öffentlichkeit geschlossen wurde und wir gehörten zu den letzten, die vom Parkplatz wegfuhren. Wir wurden dann noch von einem Reporter angesprochen, der Informationen von uns wollte. Wir konnten (und wollten) ihm aber keine Auskunft geben. Von ihm erfuhren wir jedoch, das 4 Menschen im Pool der Wasserfälle ihr Leben verloren hätten, obwohl noch nichts bestätigt war.

Ziemlich geschockt fuhren wir dann nach Halls Gap zurück. Mir war überhaupt nicht mehr wohl und ich wollte eigentlich gar nicht mehr in den Grampians bleiben, aber es war mittlerweile schon später Nachmittag geworden und so versuchten wir es auf den lokalen Caravanparks. Wir hatten jedoch kein Glück, obwohl wir es bei 3 Parks versuchten. Wegen Weihnachten und vielleicht auch auf Grund des Unglücks, das geschehen war, waren die Rezeptionen nicht besetzt und man konnte auch telefonisch niemanden erreichen. So entschlossen wir uns wieder Richtung Küste zu fahren, um zu sehen, ob wir vielleicht unterwegs irgendwo übernachten konnten. Wir überlegten uns, ob wir auf einem der Nationalpark-Campgrounds schlafen wollten, verwarfen die Idee aber wieder, da diese eigentlich nur für Zelte gedacht sind.

Etwas entnervt kamen wir dann im kleinen Ort «Dunkeld» an, etwa auf halben Weg zwischen den Grampians und der Küste. Dort hatten wir schon auf dem hinweg einen Caravanpark entdeckt, auf welchem wir es nun versuchen wollten. Tatsächlich war auch jemand dort (die Frau, die uns empfing schien selbst in einem Caravan auf dem Grundstück zu wohnen) und wir konnten für 15 Dollar für eine Nacht einchecken. Der Platz war dann zwar eine ziemliche Katastrophe mit unebenem Untergrund und schmutzigen Toiletten (ohne WC-Papier) und unangenehmen Duschen, doch wir waren nach dem langen und unheimlichen Tag froh, einfach nur einen Platz gefunden zu haben. Das Unglück bei den Wasserfällen hatte uns sehr mitgenommen und beschäftigte uns noch den ganzen Abend.

Am nächsten Tag sollten wir dann aus einer Zeitung erfahren, dass ein zwölfjähriges Mädchen beim Spielen auf den Felsen in den Wasserfall gefallen war. Seine siebzehnjährige Schwester, sein Vater und zwei Onkel (aus einer Gruppe von etwa 20 Familienmitgliedern, welche einen Ausflug in die Grampians unternommen hatten) waren dem Mädchen nachgesprungen. Wie wir aus der Zeitung erfuhren, wurde das siebzehnjährige Mädchen dann von anderen Touristen wieder aus dem Wasser gezogen, für die drei Männer und ihre kleine Schwester kam aber jede Hilfe zu spät und sie ertranken im kalten Wasser der McKenzie Falls. Wir wissen nicht ganz genau, was passiert ist, aber wir waren sehr geschockt und mitgenommen. Noch immer ist es ein unheimliches Gefühl, das ganze von oben aus gesehen zu haben. – Was für ein schrecklicher Tag für diese Familie.


Sonntag, 26. Dezember 2004
von Tobias
Die erste Aktion heute morgen war ein Telefon in die Schweiz. Wir wussten, dass meine Familie wie jedes Jahr in Mitlödi Weihnachten feierte, und da wollten wir uns kurz einklinken. Da Dunkeld noch ein bisschen im Gebirge liegt, war es am Morgen ziemlich frisch. Deshalb blieben wir während des Telefonats in unseren Schlafsäcken. Es war schön die vertrauten Stimmen nach beinahe zwei Monaten zu hören und für einen kurzen Augenblick hätte man sich gerne nach Hause gewünscht, um beim «Bescherungsritual» dabei zu sein.

Nach dem Frühstücke gings weiter Richtung Süden. Zwischen Port Fairy und Warnambool trafen wir dann wieder auf die Küste und das Meer. Dort machten wir unseren ersten Halt im Tower Hill Game Reserve, das sich direkt an einem vor 25'000 Jahren erloschenen Vulkan befindet. Die Insel im Kratersee ist ein Wildreservat mit zahlreichen einheimischen Tierarten. Hier machten wir zwei kleine Rundwanderungen. Auf der zweiten entdeckten wir dann auch wieder Koalas die relaxt in den Ästen der Eukalyptusbäume schliefen.

Weiter ging unsere Fahrt nach Warnambool, wo wir uns in einem gemütlichen Café verpflegten und da Boxing Day war, wurden im Anschluss noch ein paar Kleiderläden angesteuert. Am Boxing Day startet hier der grosse Weihnachts-Ausverkauf, und wir versuchten natürlich davon zu profitieren – ohne Erfolg.

Nach Warnambool begann die Great Ocean Road, die bis nach Torquay der Küste entlang führt und Blicke auf atemberaubende Felsformationen bietet. Alle paar Kilometer mussten wir anhalten, um uns die vielen Sehenswürdigkeiten anzuschauen: Bay of Islands, The Grotto, The Arch, London Bridge. Die London Bridge war bis zum 15. Januar 1990 mit dem Festland verbunden. Als sie unvermittelt einstürzte, mussten zwei Menschen, die sich noch auf dem Felsen befanden, mit dem Helikopter gerettet werden. Schliesslich kamen wir in PortCampbell an, wo wir auf einem ziemlich vollen Caravanpark noch einen Platz erhielten. Nach einem kurzen Besuch im Supermarkt und beim Visitorcenter, wärmten wir uns zum Znacht das Reis von gestern Abend.

Nach dem Nachtessen fuhren wir nochmals los zu den «Zwölf Aposteln», wo wir den Sonnenuntergang geniessen wollten. Die «Zwölf Apostel» sind grosse Felsblöcke, die in der Brandung stehen und gehören laut Reiseführer zu den am häufigsten fotografierten Naturdenkmälern Australiens. Als wir dort ankamen waren wir überwältigt von der Grösse dieser Felsen. Dort trafen wir auch das Paar aus Schaffhausen (Laurenz und Stephanie) wieder, die, wie wir, wegen dem Sonnenuntergang hier waren. Da die Sonne noch ziemlich hoch am Himmel stand, beschlossen wir bei uns im «little Britz» einen heissen Tee zu machen. Sie brachten Guetzli mit und so warteten wir bei einem angenehmen Gespräch zusammen auf den Sonnenuntergang. Obwohl es windig und ziemlich frisch wurde, gingen wir nach dem Tee nochmals zusammen auf die Plattform und genossen das Farbenspiel am Himmel. Als wir uns auf den Rückweg zu unseren Autos machen wollten, hatten wir sogar noch das Glück am Strand eine Pinguin-Parade zu entdecken. Es war ein grandioser Tag der mit vielen Eindrücken der grossartigen Küste und zwei netten Menschen, die wir trafen, in unserer Erinnerung bleiben wird.

 
Montag, 27. Dezember 2004
von Tanja
Nach einem sehr langen Tag sind wir heute Abend um ca. 21.00 Uhr in «Colac», etwa 60 km im Landesinneren und weg von der «Great Ocean Road» angekommen. Nicht ganz der Ort, den wir als Übernachtungsplatz vorgesehen hatten, aber das ist eine lange Geschichte.

Angefangen hat unser Tag mit einem feinen Zmorge im Campervan. Draussen war es eher kühl und windig, so dass wir (und die meisten anderen auch) es vorgezogen hatten in der «warmen Stube» zu bleiben. In der Nacht hatte es richtig gestürmt und zeitweise auch geregnet. Auch während unseres Frühstücks hat sich der Himmel immer wieder verdunkelt, und ab und zu sind ein paar Regentropfen gefallen. Da zwischendurch aber auch immer wieder die Sonne durchgedrungen ist, hatten wir doch die Hoffnung auf einen schönen Tag, da wir ja heute einen Teil der bekannten «Great Ocean Road» abfahren wollten.

Gegen 8.30 Uhr sind wir dann losgefahren, um als erstes die nahe gelegenen Aussichtspunkte der «Loch Ard Gorge» auszukundschaften. Dies ist eine Felsschlucht, in der 1878 der Segelschoner «Loch Ard» und mit ihm 54 Passagiere und Besatzungsmitglieder ein Ende gefunden hatten. Ein tragisches Unglück, bei dem nur zwei Menschen (eine irische Passagierin und ein Matrose) überlebt hatten. Ein Friedhof bei den Klippen erinnert an das diese Ereignis und viele weitere Schiffsunglücke, welche an der Küste der «Great Ocean Road» geschehen waren. An einem der Aussichtspunkte konnte man über eine Treppe auch hinunter an den Strand und so die von den umliegenden Klippen gebildeten Buchten ganz nahe erleben. Die Mischung der Farben war einfach fantastisch. Der helle Sand, das türkisblaue Meer, die Klippen und der sich immer verändernde Himmel. Unbeschreiblich. Das muss man einfach selbst erlebt haben und ist schwer zu beschreiben. Wir waren aber froh den Anblick vom Land aus und nicht aus der Perspektive eines Passagiers auf hoher See erleben zu können.

Als nächste Station waren dann noch einmal die «Zwölf Apostel» an der Reihe, da wir diese gerne auch noch im Morgenlicht sehen wollten. Das Wetter war wechselhaft, aber glücklicherweise sind immer einmal wieder ein paar Sonnenstrahlen durchgedrungen und haben eine eindrückliche Stimmung im sonst grau bis dunkelgrau bewölkten Himmel hinterlassen. Der Blick auf die mit einzelnen Sonnenstrahlen beleuchteten «Apostel» mit den dunklen Wolken im Hintergrund und dem türkisblauen und -grünen Meer im Hintergrund war wirklich einmalig und unvergesslich. Ein fantastischer und sehr beeindruckender Anblick. Später gings dann noch zu den «Gibson Steps» die uns von den hohen Klippen einmal mehr hinunter an einen wunderschönen Sandstrand geführt haben. Die auf uns zurauschenden, tosenden Wellen, die auf die Küste und die im Meer stehenden Felsformationen prassten, waren wirklich beeindruckend. Die Kraft des Meeres wurde uns so wieder einmal mehr bewusst.

Nach einem weiteren Stück entlang der Küste ging es dann für eine kleine Weile Richtung Hinterland, wo wir den «Mela Gully State Park» besucht haben. Dort gab es eine kleine Regenwaldwanderung zu machen, bei welcher man vor allem auch sehr viele Farne sehen konnte (diese mag ich ganz besonders gern, wenn sie gerade «geboren» werden – schwer zu beschreiben aber das Bild des «Baby-Firn» wird hoffentlich näher bringen können, was ich damit meine). Es war ein toller Spaziergang, den wir sehr genossen hatten. Zum Schluss begann es dann aber ziemlich heftig zu regnen und sogar einige kleinste Hagelkörner kamen uns entgegen. Wir sind dann zum «little Britz» gesprintet, wo wir uns eine Mittagspause mit einem «English Breakfast» oder zumindest einem Teil davon zum Aufwärmen gegönnt haben (Heinz-Böhndli und Toast). Der Camper ist in dieser Hinsicht wirklich toll und erlaubt einem diesen Luxus. So konnten wir unseren Lunch also in der Wärme und im Trockenen in Ruhe geniessen.

Wir sind danach noch weiter ins Landesinnere in den «Otway National Park» gefahren, wo man den «Otway Fly Tree Top Walk» im fantastischen Regenwaldgebiet der Otway Ranges machen konnte. Nachdem wir beim «Mela Gully State Park» schon das Auto unserer «Schaffhauser» angetroffen hatten, kamen sie uns nun noch persönlich entgegen, nachdem sie besagten Walk in den «Baumwipfeln» bereits gemacht hatten. Es ist immer wieder schön auf sie zu treffen und mit ihnen zu plaudern. Es würde uns wirklich freuen, wenn wir sie vielleicht auch nach unserer Reise in der Schweiz wieder einmal treffen würden.

Obwohl wir den Eintrittspreis von 15 Dollar für etwas überteuert hielten (da das Pendant dazu im Südwesten Australiens weniger als die Hälfte gekostet hatte) entschlossen wir uns trotzdem den Walk in schwindelerregender Höhe zu machen, da das Waldgebiet hier ganz anders war als beim letzten Mal. Die Aussicht auf den Regenwald war dann wirklich schön und auf den hochgelagerten «Spazierwegen» mit Metallgeländern habe ich mich eigentlich ganz wohl gefühlt. Auf der mit grössten Schwierigkeiten erklommenen Plattform in 47 Metern Höhe war es mir aber dann nicht mehr ganz so wohl, obschon die Aussicht wirklich toll war. Eine weitere Überwindung war dann ein 25 Meter hoher Aussichtspunkt auf einem ausgeschwenkten «Arm», der nicht mehr mit Pfeilern gestützt wurde. Auch dort habe mich zwar hinausgewagt, obwohl ich es nicht sehr lange ausgehalten habe. Auf jeden Fall hat sich dieser zweite «Tree Top Walk» auf jeden Fall gelohnt.

Nun wollten wir uns noch einen Leuchtturm ganz im Süden des Otway Nationalparkes ansehen, das «Cape Otway Lighthouse», wo wir auch im dortigen ganz im Wald gelegenen Caravanplatz übernachten wollten. Die erste Enttäuschung war dann aber der bereits ausgebuchte Caravanpark. Danach gings weiter zum Leuchtturm, für dessen Anblick man (für uns sehr überraschend) dann weitere 10.50 Dollar Eintritt bezahlen sollte. Wir hätten das vielleicht gemacht, aber der Leuchtturm wäre nur noch eine gute Viertelstunde offen gewesen, und so entschieden wir uns wieder umzukehren. Die kurvenreiche Strasse hat uns dann wieder an die «Great Ocean Road» zurückgeführt, wo wir uns in Richtung «Apollo Bay» aufmachten, wo wir direkt an der «Great Ocean Road» übernachten wollten.

Die Aussicht auf die Bucht war imposant und einfach fantastisch und noch waren wir guter Stimmung. Dort angekommen war es bereits 18.00 Uhr. Wir wussten, dass es während dieser Zeit Hochsaison war und es wohl ziemlich «busy» (ausgebucht) sein würde, aber was uns erwartete hätten wir uns auf keinen Fall vorstellen können. Der erste von uns ausgesuchte Caravanpark hatte bereits ein «No Vacancies»-(keine freien Plätze)-Schild ausgehängt. Dies hätte uns nicht weiter beeindruckt, wenn wir nicht die vielen Autos, Camper und Zelte gesehen hätten, die sich bereits im umliegenden Gebiet des Caravanplatzes ausgebreitet hatten. Sogar der Rand des nahe liegenden Sportplatzes war von Campern bereits besetzt.

Als wir ins Zentrum fuhren mussten wir feststellen, dass es auch dort komplett überfüllt war. Alle Parkplätze waren besetzt (womöglich auch von solchen Campern, die sich vorgenommen hatten die Nacht dort zu verbringen) und jedes einzelne Motel, Hotel oder B&B hatte ein Schild mit «No Vacancies» draussen hängen. Wir haben alle Caravanparks vergeblich abgeklappert und wurden nun so langsam richtig nervös. Wir entschieden uns der Küste entlang weiterzufahren und es in kleineren Orten zu versuchen. Uns erwartete aber überall das selbe Bild: total überfüllte Camping- und Parkplätze. Da war überhaupt nichts zu machen. Keine Cabins, keine Motelzimmer, keine Campingplätze. Nachdem wir 50 km entlang der Küste alles abgefahren hatten, waren wir mit den Nerven wirklich fast am Ende. Gegen 20.00 Uhr entschlossen wir es an der Küste aufzugeben und ins Landesinnere zu fahren. Dazu musste man aber auch erst wieder in einem Ort sein, von welchem eine Strasse dorthin abzweigt. Ein grosser Teil der «Great Ocean Road» bietet diese Möglichkeit nämlich nicht. Nach einigem «Hin und Her» haben wir uns dann für den nächsten grösseren Ort entschieden, welcher von der Küste etwa eine knappe Stunde entfernt lag. Auf dem Weg dorthin haben wir uns schon überlegt einfach frei zu campieren, was in diesem Gebiet zwar nicht möglich bzw. erlaubt war. Viele Möglichkeiten hätte es im umliegenden Farmgebiet (welches übrigens wunderschön war, auch wenn wir es zu dem Moment nicht geniessen konnten) auch gar nicht gegeben ohne auf Privatgrundstücken zu landen. Endlich in «Colac» angekommen wurde es schon langsam dunkel. Am Stadtrand haben wir dann aber gleich einen Caravanplatz gefunden, der auch nicht ausgebucht aussah. Dieser war jedoch ziemlich heruntergekommen und so haben wir unser Glück ein letztes Mal für diesen Tag herausgefordert und uns zum nächsten aufgemacht. Die Rezeption war glücklicherweise noch besetzt (da die Besitzerin anscheinend ganz die Zeit vergessen hatte) und wir durften überglücklich und vor allem erleichtert erfahren, dass es noch freie Stellplätze zur Verfügung hatte. Wir hatten also endlich ein «Zuhause» für die kommende Nacht gefunden. Wir waren so froh, dass wir erst später realisierten, dass wir eigentlich an einem ganz schönen Ort an einem See gelandet waren. Erleichtert haben wir uns einquartiert und noch ein Abendessen gekocht, zu welchem wir uns den nötigen Schluck Wein (aus dem McLaren Vale) wohl auch redlich verdient hatten. Bevor wir uns wegen der kühlen Temperaturen in unseren doppelten Schlafsäcken gemütlich machten, mussten wir dann auch noch an unsere Schaffhauser Reisekameraden Stephanie und Laurenz denken, und wo sie wohl einen Unterschlupf gefunden hatten. Vielleicht würden wir ihnen ja doch noch einmal begegnen.


Dienstag, 28. Dezember 2004
von Tobias
Nach einer kalten Nacht fuhren wir heute Morgen wieder zurück an die Küste zur Great Ocean Road. Dies nahm beinahe eine ganze Stunde Zeit in Anspruch. Als wir in Apollo Bay ankamen war das Durcheinander nicht mehr ganz so gross wie am gestrigen Abend, aber es war immer noch schwierig im Städtchen einen Parkplatz zu finden. Schliesslich fanden wir einen und machten uns auf die Suche nach einem Internetcafé. Im ganzen Touristenort hatte es genau ein einziges. Dieses hatte jedoch nur eine langsame Verbindung zu bieten und so begnügten wir uns dort damit lediglich unsere E-Mails zu checken und zu senden und einen Café Latte (Milchkaffee) zu geniessen. Die Aktualisierung unserer Internetseite musste warten. Hier erfuhren wir aber auch von der fürchterlichen Flutwelle im indischen Ozean, die so viele Todesopfer forderte.

Nächste Station auf unserer Reise entlang der Great Ocean Road war der Marriners Lookout, von welchem man einen fantastischen Ausblick auf das Städtchen Apollo Bay und den Strand hat. Leider wurde dieser durch die dichte Wolkendecke ein bisschen getrübt. Anschliessend schauten wir uns noch kurz die Carisbrook Falls an. Danach machten wir uns auf den Weg nach Lorne. Die gleiche Strecke fuhren wir bereits gestern unter ein bisschen anderen Umständen. Dieses Mal war aber unsere Aufmerksamkeit nicht bei den Caravanparks mit noch freien Stellplätzen, sondern wir bestaunten die Küste und die raue See. Für die vielen Surfer waren diese Verhältnisse genau das Richtige, um mit dem Surfbrett hinaus ins Meer zu paddeln und dort auf eine Welle zu warten, auf der sie optimal mitreiten konnten. Wir hätten stundenlang zusehen können, wie die Surfer gekonnt ihre Tricks auf dem Brett übten, aber da es zu regnen begann, suchten wir Schutz in einem Internetcafé in Lorne mit schnellerer Verbindung.

Nachdem wir unsere Reisehomepage aktualisiert hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Stellplatz für unseren «little Britz». Dieses Mal hatten wir mehr Glück, und wir bekamen beim gleichen Caravanpark, bei dem wir gestern noch abgewiesen wurden einen der letzten Plätze für stolze 35 Dollar. Dies war der absolut höchste Preis, den wir bis jetzt bezahlen mussten. Sonst pendelten die Preise zwischen 15 und 25 Dollar. Aber in der Not ist man zu vielem bereit und eine erneute Fahrt weg von der Küste ins Landesinnere ist ja auch nicht gratis. Gleichzeitig mit uns tauchten auch Laurenz und Stephanie in der Rezeption auf und bekamen glücklicherweise auch noch einen Platz. Kurze Zeit später war der Caravanpark ausgebucht.

Da es noch früh am Nachmittag war und es immer noch regnete, verabredeten wir uns auf einen Tee bei uns. Es war sehr gemütlich und wir hatten uns viel zu erzählen. Sie hatten sich gestern aus ihrem Auto ausgeschlossen und konnten zum Glück mit ihrer Radioantenne, die sie opferten, den Autoschlüssel durch einen kleinen Spalt beim Schiebefenster aus dem Wageninnern nach aussen befördern. Dafür fuhren sie nicht wie wir drei Stunden durch die Gegend auf der Suche nach einem Caravanplatz, sondern campierten einfach frei auf einem Parkplatz bei einem Wasserfall. Ohne dass wir es merkten, verstrich die Zeit und es wurde Abend. Wir trennten uns kurz um das Nachtessen zuzubereiten, trafen uns aber anschliessend wieder zum gemeinsamen Znacht. Als wir uns um bald Mitternacht voneinander verabschiedeten, machten wir noch kurz den Abwasch und gingen dann schlafen.


Mittwoch, 29. Dezember 2004
von Tanja
Nach einem wirklich schönen Abend mit den beiden «Schaffhausern» verbrachten wir eine kalte Nacht auf dem wirklich schlechtesten Caravanpark aller Zeiten. Na ja, so schlimm war es nun auch wieder nicht, aber dieser Park in Lorne hatte weder Charme, war völlig ausgebucht und die Toiletten waren nicht nur weit weg sondern auch noch unsauber. Wir haben dann sogar die öffentlichen WCs und Duschen ausserhalb des Caravanparks benutzt, da die anderen einfach zu weit weg waren. Auf den öffentlichen Duschen mussten wir dann für das heisse Wasser auch noch Münzen einwerfen. Trotzdem waren wir natürlich froh, dass wir überhaupt etwas gefunden hatten und der gemütliche Abend in unserem Camper hat uns für den nicht wirklich empfehlenswerten Caravanpark entschädigt.

Nach dem Frühstück haben wir uns von Stephanie und Laurenz verabschiedet und sind gegen 9.30 Uhr aufgebrochen. Etwas später als üblich, aber die vor uns liegende Strecke war auch nicht allzu lang. Unser Ziel sollte das Surfer-Mekka «Torquay» sein, wo die «Great Ocean Road» dann auch ihr Ende findet. Dies sollte also unser letzter Tag an Australiens Traum-Küstenstrasse werden, und wir hofften auf etwas schöneres Wetter als in den vergangenen zwei Tagen. Zwischen den grauen Wolken waren auch schon einige blaue Flecken Himmel sichtbar und wir waren guter Hoffnung.

Bevor wir uns Richtung Torquay aufmachten, fuhren wir noch zu einem Aussichtspunkt oberhalb von «Lorne» mit dem Namen «Teddy’s Lookout». Nach zwei Anläufen haben wir ihn dann auch gefunden. Von dort aus hatten wir einen tollen Blick auf die sich am Meer entlangschlängelnde Küstenstrasse. Von dort aus weiter ging es dann zu den bekannten, 30 m hohen «Erskine-Wasserfällen» etwa 9 km ausserhalb von Lorne. Der kurze aber steile Fussmarsch dorthin hat sich sehr gelohnt. Die Wasserfälle waren wirklich sehr schön und imposant und gaben natürlich wieder einmal Gelegenheit, um das ein oder andere Foto zu machen.

Nach diesem kleinen Ausflug machten wir uns dann auf, um das letzte Teilstück der «Great Ocean Road» in Angriff zu nehmen. Die Sonne liess sich dann sogar ab und zu mal blicken, und es wurde auch etwas wärmer als in den vergangenen Tagen. An zwei verschiedenen Stränden machten wir dann kurze Stopps um die vielen Surfer zu beobachten, die heute aber mit der unruhigen See zu kämpfen hatten und nicht die idealen Wellen zu finden schienen.

In Aireys Inlet haben wir dann einen Zwischenhalt eingelegt, um uns den dortigen Leuchturm «Split Point Lighthouse» und die schöne Aussicht auf die Küste anzusehen (ohne Eintrittsgebühren, aber dafür durfte man auch nicht in den Leuchtturm hinein). Gerade als wir in den Parkplatz beim Leuchtturm einbogen, kamen uns die Stephanie und Laurenz in ihrem roten Bus entgegen und waren wohl etwas schneller gewesen als wir. Wir verbrachten dann ca. eine halbe Stunde beim Leuchtturm, bevor wir weiterfuhren.

In Angelsea, dem letzten grösseren Städtchen vor Torquay, hielten wir dann, um eine kleine Mittagspause zu machen und kochten uns im Camper die noch übriggebliebenen Teigwaren. Wir hatten mittlerweile fast alle unsere Lebensmittel aufgebraucht, da wir den Camper am morgigen Tag in Melbourne abgeben würden.

Als wir später am Nachmittag in Torquay ankamen, fuhren wir zum ersten Caravanpark am Weg um dort für die Nacht einzuchecken. Da wir nicht lange weitersuchen wollten, akzeptierten wir dann auch den unglaublichen Preis von 45 Dollar für die «Powered Site» (Stellplatz mit Strom). Es ist zwar ein schöner und gepflegter Caravanpark mit sauberen Duschen und WCs, aber die 45 Dollar sind trotzdem masslos übertrieben. Das ist wohl aber so üblich, da es hier Hochsaison ist. Wir haben uns dann auch damit abgefunden und konnten sogar zu Fuss zu den verschiedenen Surf- und Beachwaer-Shops in der Nähe gehen, um dort noch einmal ein bisschen zu stöbern. Wie immer habe ich zwar nichts für mich gefunden, aber dafür hat Tobi ein wirklich schönes Kurzarm-Hemd gekauft, das er schon lange haben wollte, aber nicht in der richtigen Grösse gefunden hat. Insofern war unser kurzer Shopping-Trip also erfolgreich. Gleichzeitig haben wir die «Laundry» auf dem Caravanplatz auch genutz, um unseren Wäscheberg abzubauen, da wir für Melbourne wieder frische Kleidung haben wollten.

So langsam wurde uns auch bewusst, dass mit unserer Ankunft in Melbourne und der Rückgabe des «little Britz» auch schon ein grosser Teil unserer Reise zu Ende gehen würde. Natürlich liegen noch viel Zeit und viele wunderbare Orte vor uns, aber das Abschiednehmen vom Camper, in welchem wir die vergangenen zwei Monate verbracht hatten, würde uns schon schwer fallen. Es war einfach eine fantastische Zeit und so wurden wir wohl etwas wehmütig. Glücklicherweise werden wir Australien aber noch nicht sofort verlassen. Es liegen immer noch vier Nächte in Melbourne, zwei Wochen in Tasmanien und weitere vier Nächte in Sydney vor uns, bevor wir Australien «Lebewohl» bzw. «Aufwiedersehen» sagen müssen.

Nachdem unsere Wäsche erledigt war, spazierten wir noch ins Zentrum um die letzten Einkäufe zu erledigen. Dazu gehörte auch der Kauf von Putzmitteln, um unseren Camper in einem angemessenen Zustand zurückgeben zu können (in unseren Kästchen befand sich noch immer Sand von der Westküste ...). Nach dem Abendessen haben wir dann auch bereits begonnen, die Kästchen, den Kühlschrank und die Mikrowelle zu putzen und auch unsere Koffer einmal provisorisch zu packen, damit das nicht alles morgen noch gemacht werden musste.

Jetzt werden wir es uns zum letzten Mal im «little Britz» gemütlich machen, bevor wir morgen nach Melbourne weiterfahren, wo wir dem Camper noch den letzten Schliff in Sachen Reinigung geben werden, bevor wir ihn zur Mietstation zurückbringen. – Gute Nacht «little Britz», du bist uns ein treuer und zuverlässiger Gefährte gewesen ...


Donnerstag, 30. Dezember 2004
von Tobias
Gleich nach dem Frühstück begannen wir damit den Boden unseres «little Britz» zu fegen und die letzten Sachen zu verpacken oder, falls wir sie nicht mehr brauchten, wegzuwerfen. Kurz vor zehn Uhr fuhren wir dann los zum Jan Juc Beach, wo wir nochmals den Surfern zuschauten. Der Strand war riesig und wir konnten neben den «angefressenen» Surfern viele Familien beobachten, die sich mit ihren Brettern ins Wasser stürzten. Surfen scheint hier in der Surf-Metropole Australiens das gleiche zu sein, wie bei uns das Ski- oder Snowboardfahren im Winter.

Auf dem Weg zurück stoppten wir noch bei der Autowaschanlage, wo wir unserem Auto auch noch aussen den letzten Schliff gaben. Dann fuhren wir nach Melbourne. Die Strecke betrug etwa 80 Kilometer. Nach anfänglichen Schwierigkeiten die Vermietstation im Strassen-Wirrwarr zu finden, gelangten wir schliesslich doch noch zum Endziel unserer ersten Reiseetappe. Die Abgabe klappte problemlos und wir liessen unseren «little Britz» mit einem Kilometerstand von 87'106 zurück. 17'332 Kilometer weit sind wir mit ihm entlang der Westküste und zurück durchs Zentrum Australiens gefahren.

Mit dem Taxi liessen wir uns dann zu unserem Hotel in Melbourne chauffieren. Die Stadt machte auf mich mit ihrer Skyline sofort einen sehr guten Eindruck und unser Zimmer im Lindrum Hotel war riesengross und wunderschön. Wir richteten uns kurz ein und gingen dann in die Stadt. Da wir noch nichts gegessen hatten und es bereits späterer Nachmittag war, liessen wir uns in einem Pizza Hut eine Pizza servieren. Die schmeckte zwar nicht gerade köstlich, stillte aber unseren Hunger. Anschliessend kauften wir uns in einem Kino Tickets für den Film «Ocean 12». Wir haben uns gut unterhalten, aber gesehen haben muss man diesen Streifen nicht. Als wir aus dem Kino kamen, war es bereits dunkel und wir schlenderten durch die beleuchtete Stadt zurück zu unserem Hotel. Irgendwie musste dieses Bild festgehalten werden. Mit unserer kleinen Kamera kehrten wir in die Stadt zurück und entdeckten zu unserer Überraschung Stephanie und Laurenz beim Visitor Center. Wir setzten uns zu ihnen und plauderten noch ein wenig und verabredeten uns für morgen bei einem Treffpunkt, um das Feuerwerk zusammen zu geniessen. Es ist wirklich lustig, wie wir uns seit Kangaroo Island immer wieder über den Weg laufen.

Zurück in unserem Hotelzimmer gönnten wir uns eine lange heisse Dusche und genossen unser riesiges, bequemes Bett. Für vier Tage residieren wir jetzt hier wie die Könige.


Freitag, 31. Dezember 2004
von Tanja
Silvester oder «New Year’s Eve» in Melbourne! Das würde bestimmt etwas ganz besonderes werden. – Am Morgen haben wir nach langem wieder einmal etwas ausgeschlafen, bevor wir uns in Richtung Stadt aufmachten. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und es war schon am Morgen richtig heiss. Wir verbrachten einige Stunden in der Stadt mit Shoppen (na ja, wohl eher «Windowshopping», denn gekauft haben wir nichts) und Sightseeing. Wir wussten immer mehr, das Melbourne mit Sicherheit einen Platz auf der Liste mit unseren Lieblingsstädten finden würde – und zwar ziemlich weit vorn. Wir fühlten uns von Anfang an wohl hier, und es gibt wirklich viel zu sehen und zu entdecken. Eine spannende, aufregende aber doch noch irgendwie gemütliche Millionenstadt.

Nachdem wir einen Spaziergang am «Yarra River» entlang gemacht hatten und auch die Gegend südlich des Flusses etwas kennengelernt hatten, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg zurück zum Hotel, wo wir uns in unserem tollen Zimmer eine Pause gönnten. Tobi hat dann auch tatsächlich für zwei Stunden geschlafen. So eine Grossstadt macht einem schon müde. Nachdem wir zwei Monate in eher kleineren Städtchen oder oft auch in Outbackgebieten gereist waren, war Melbourne schon ein extremer Gegensatz dazu.

Gegen 18.30 Uhr machten wir uns dann wieder auf in die Stadt, um ein Restaurant fürs Znacht zu finden. Wir hatten am Nachmittag schon einige gesehen, welche uns gefallen hätten. Leider waren wir nicht auf die Idee gekommen, einen Tisch für den Abend zu reservieren, und so mussten wir feststellen, dass eine grosse Anzahl der Restaruants voll ausgebucht war. Nach etwa einer Stunde entschieden wir uns dann etwas «über die Gasse» zu holen, und unser Neujahrs-Dinner dann am nächsten Tag nachzuholen. Wir fanden dann auch ein chinesisches Take-Away in welchem wir Nudeln und Reis mit Gemüse mitnahmen. Es war dann auch richtig fein und wir gönnten uns später noch einen frischen Fruchtsaft aus einer der hier wohl sehr beliebten Saftbars. Das war wirklich lecker und dazu noch gesund (wir hatten uns am Nachmittag schon zwei davon gegönnt und hatten den nötigen Bedarf an Vitamin C an diesem Tag wohl mehr als erreicht).

Nachdem wir genährt und gestärkt waren, machten wir uns wieder auf zum «Federation Square», wo der Grossteil der Silvester-Aktivitäten stattfinden würde. Die Menschenmenge die man in den Strassen und dann speziell um den Square herum antraf, war einfach unglaublich. Wir hatten so etwas noch nie zuvor erlebt und genossen die tolle Stimmung. Es gab Live-Musik und auf einem Bildschirm wurden Australiens Bilder des Jahres gezeigt. Die Atmosphäre war aussergewöhnlich und jeder einzelne «Melbournian» schien in der Stadt zu sein: Familien mit kleinen Kindern, ältere Leute ... einfach jeder. Es war fantastisch.

Um 21.30 Uhr ging dann das erste Feuerwerk vom «Yarra River» aus los, welches vor allem für Familien mit Kindern gedacht war. Später sollte es dann noch das eigentliche Neujahrs-Feuerwerk geben. Wir genossen das Licht-Spektakel sehr.

Etwas zu früh fanden wir uns dann bei der Säule ein, bei welcher wir uns mit Stephanie und Laurenz verabredet hatten. Für unser erstes, verabredetes Zusammentreffen wollten wir auf jeden Fall nicht zu spät sein. Bis jetzt hatten wir uns ja immer nur zufällig wiedergetroffen. Wir freuten uns wirklich auf den Abend mit den beiden.

Die zwei hatten wohl ähnliche Gedanken gehabt und so trafen wir sie etwa eine halbe Stunde zu früh (um ca. 22.00 Uhr) bei unserem Treffpunkt an. Zuerst blieben wir eine Weile auf der Treppe sitzen und hörten der Live-Musik zu, bevor wir uns dann wieder Richtung Fluss aufmachten, um noch ein Plätzchen zu finden um das Feuerwerk um Mitternacht geniessen zu können.

Um Punkt zwölf Uhr und zum Einklang des neuen Jahres ging das Feuerwerk dann los. Es war wirklich ein tolles Erlebnis den Jahreswechsel hier in Melbourne (im Sommer und in T-Shirts und kurzen Hosen) feiern zu können. Besser hätten wir uns den Übergang ins 2005 gar nicht vorstellen können und diesen Silvester werden wir als unvergessliches Erlebnis in unseren Herzen behalten.


Samstag, 1. Januar 2005
von Tobias
Wir hatten heute herrlich ausgeschlafen. Da wir für den ersten Tag im neuen Jahr keine speziellen Pläne hatten, entschlossen wir uns das Frühstück im Hotel zu essen, bevor wir uns um kurz vor zwölf Uhr auf den Weg in die Stadt machten. Uns fiel ziemlich bald auf, dass viele Geschäfte geschlossen hatten und dass es somit nichts mit Grosseinkäufen wird. Eigentlich hatten wir dies für den Neujahrstag auch so erwartet.

Da der Himmel leicht bewölkt war und ein ziemlich kühler Wind blies, machten wir zuerst eine Stadtrundfahrt mit dem Tram, welche für Touristen gratis ist. Nach diesem gemütlichen Teil durchquerten wir die Stadt nochmals ein bisschen zu Fuss. Das vorwärts kommen war einfacher als letzten Abend, da es nicht mehr so viele Leute unterwegs hatte. Wir schauten in den einen oder anderen Laden, der trotz Feiertag offen hatte.

Anschliessend gingen wir ins Kino und schauten uns «Finding Neverland» an. Ein wirklich schöner und berührender Film, der uns nicht nur wegen zwei meiner Lieblingsschauspieler sehr gut gefallen hat. Obwohl wir im Kino beinahe eine grosse Packung Popcorn verzerrt hatten, verspürten wir nach dem Film immer noch einen kleinen Hunger. Wir schlenderten zum Yarra River hinunter, wo wir gestern ein paar gute Restaurants gesehen hatten, jedoch keinen Platz mehr bekamen.

Heute sah die Situation für uns aber sehr viel besser aus, und so wählten wir für unser Nachtessen ein italienisches Restaurant, das sich auf Risotto spezialisiert hat. Der Tomaten-Mozarella-Salat war leider nur mässig gut, aber das Gorgonzola-Risotto mit Birne, das ich bestellt hatte und das Kürbis-Risotto für Tanja waren absolute Spitzenklasse. Später bestellten wir noch ein Dessert und einen Kaffee. Somit hatten wir unser «verpasstes» Silvester-Essen doch noch nachholen können.

Auf dem Weg zurück ins Hotel sind uns die Fahnen aufgefallen, welche für die Deaflympics (Olympiade für taube Menschen) werben, welche am 5. Januar hier in Melbourne starten. Bereits gestern sind uns viele Leute in der Stadt aufgefallen, die sich mittels Gebärdensprache unterhielten. Zum Teil waren ganze Mannschaften aus verschiedenen Ländern auf den Strassen unterwegs. Immer wieder mussten wir über diese Kommunikationmethode staunen. Den restlichen Abend genossen wir noch in unserem Hotelzimmer.


Sonntag, 2. Januar 2005
von Tanja
Nach einer weiteren, herrlichen Nacht in diesem wunderbaren Hotelzimmer, machten wir uns auf in die Stadt, um unsere Reise-Internetseite wieder einmal auf den neusten Stand zu bringen. Nach einiger Zeit fanden wir dann auch ein Internet-Café, dass uns trotz Sonn- und Feiertag die Möglichkeit bot, unser Powerbook anzuschliessen. Als wir dies erledigt hatten beschlossen wir, wieder zum Hotel zurückzugehen, um das Powerbook dort abzuladen und unsere «Rucksäckli» für den geplanten «Phillip Island»-Trip zu packen. Der Ausflug auf die durch eine Brücke mit dem Festland verbundene Insel sollte der Abschluss unserer Australien-Festlandreise bilden und wir hatten uns schon lange darauf gefreut. Natürlich vor allem auf die damit verbundene «Pinguin Parade», welche einen Höhepunkt des Ausfluges bildet. Die «Pinguin Parade» ist der Begriff für das Ankommen von Australiens «Little Penguins» in grossen Scharen an einem Strand auf «Phillip Island». Man kann dabei von Angestellten des Nationalparks überwacht live dabei sein, wenn die putzigen Tiere von ihrer Futtersuche zurückkommen um ihre am Strand in Höhlen wartenden Jungen zu füttern.

Nachdem wir für den Trip gerüstet waren, gingen wir zurück in die Stadt, um uns beim «Chinesen» noch einmal Reis und Nudeln als Lunch zu holen. Gestärkt und pünktlich fanden wir uns beim Treffpunkt ein, wo uns der Bus für den Trip abholen sollte. Kurz darauf kam er auch an, um unsere Tickets zu kontrollieren und uns aufzuladen. Seine Reaktion auf unser Ticket war dann aber gar nicht erfreulich, da auf seiner Liste unter unserem Namen nur eine Person gebucht war, unser Ticket jedoch die Buchung für zwei Personen bestätigte. Nach einigem Hin und Her und Telefonaten mit seinem Büro teilte er uns mit, dass er uns auf keinen Fall beide mitnehmen könne, da die Tour komplett ausgebucht sei und nur ein Platz für uns zur Verfügung stand. Es gab daran wirklich nichts zu rütteln. Er entschuldigte sich und versprach, wir würden das bereits bezahlte Geld natürlich auf jeden Fall wieder zurückerstattet bekommen. Entsetzlich enttäuscht blieb uns nichts anderes übrig, als den Bus ohne uns ziehen zu lassen. Das hatte uns nun wirklich den Tag verdorben, da wir uns so sehr auf den Trip gefreut hatten. Einen Moment lang wussten wir nun gar nicht mehr, was wir tun sollten.

Nachdem wir uns wieder etwas gefasst hatten, beschlossen wir so schnell als möglich zum Visitor Centre zu gehen, wo wir auch die Tickets gebucht hatten, um zu sehen, ob dieses noch kurzfristig eine andere Tour für uns buchen konnte (viel Hoffnung darauf hatten wir jedoch nicht). Dort angekommen wurden wir dann – trotz vieler anderer wartender Touristen – ziemlich schnell empfangen. Der Busfahrer hatte ihnen die Situation wohl bereits am Telefon erklärt und der Mitarbeiter des Centres erkannte uns wohl daran, dass uns die Enttäuschung über den geplatzten Trip im Gesicht geschrieben stand.

Er hatte uns dann auch wirklich einen Ersatztrip anzubieten. Er war zwar mit dem von uns gebuchten nicht zu vergleichen, da wir eine Kleingruppen-Tour gebucht hatten und dies ein grosser «Luxus-Tourbus» (zumindest hat er ihn so bezeichnet) war, aber er würde in etwa dieselben Sehenswürdigkeiten abdecken wie die andere Tour. Eine grosse Wahl hatten wir sowieso nicht, da der Trip in 10 Minuten losgehen würde. Wir rannten also zum uns beschriebenen Treffpunkt und wurden dort von einem Organisator der grossen Tourbusse empfangen. Wir landeten dann in einem (zwar komfortablen) 48-plätzigen ATP-Bus, der zu 90% mit japanischen Touristen belegt war. Wir fühlten uns zwar nicht ganz dazugehörig, waren in diesem Moment dann aber einfach nur froh, doch noch auf Phillip Island kommen zu können.

Die Tour war dann nicht wirklich interessant (der Busfahrer war einschläfernd und kein Vergleich zu den enthusiastischen Führern, welche wir bisher erlebt hatten) und der Trip selbst war mehr wie eine Taxifahrt, welche an zwei oder drei Sehenswürdigkeiten für ein paar Minuten unterbrochen wurde. Selbst hätten wir so eine Tour wirklich nie gebucht, da wir mit den kleineren Organisatoren jedes Mal wirklich gute Erfahrungen gemacht hatten und uns nicht vorstellen konnten einer so grossen Gruppe anzugehören.

Wie auch immer. Den Stopp in «Cowes», dem Hauptort der Insel, hatten wir dann sehr genossen. Man hatte knapp zwei Stunden Zeit um irgendwo etwas essen zu gehen und sogar für einen Spaziergang am Strand reichte es noch. Dann am Abend folgte die obligatorische Pinguin-Parade, die dann trotz der unglaublichen Menschenmenge wirklich fantastisch war. Nach 21.00 Uhr begannen wir die ersten Pinguine am Strand zu sichten. Sie waren noch etwas unsicher und wollten ihre Tarnung noch nicht so schnell aufgeben und so dauerte es einige Zeit, bis die ersten Gruppen sich an Land trauten. Immer mehr und mehr kleinere und grössere Gruppen der kleinsten Pinguin-Spezies der Welt kamen an Land geschwommen und machten sich in Kolonnen auf den Weg zu ihren Jungen. Es war wirklich ein einmaliger Anblick und man hätte stundenlang zusehen können. Da wir aber um 22.00 Uhr zurückfahren mussten, begaben wir uns dann noch auf den Boardwalk, welcher durch die Nistgebiete der Pinguine führte. Dort irrten dann tatsächlich viele der kleinen Gesellen umher um entweder ihre Jungen oder andersrum ihre Eltern zu finden. Man konnte sie ganz aus der Nähe beobachten und sie liessen sich von den vielen Zuschauern auch überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Es war echt toll und entschädigte uns für den Rest, des nicht ganz so geglückten Trips. Zufrieden mit den Erinnerungen an die Pinguine kehrten wir dann gegen Mitternacht wieder ins Hotel zurück, wo wir todmüde in unser Bett sanken.

Unser Wetter
Zürich
---
Zürich °C | Perth °C | Broome °C | Katherine °C | Alice Springs °C | Adelaide °C | Melbourne °C | Hobart °C | Sydney °C | Christchurch °C | Wellington °C | Auckland °C
475201 Besucher
Mittwoch, 15. Juni 2022